Rekultivierung von aufgelassenen Weinbergterrassen in der Brandstatt
Brandstatt

Lebenstraum, Lebensexperiment und Lebensziel. Die Brandstatt schließt die Wachau nach Norden hin spektakulär ab, nach ihren Steillagen beginnt das Waldviertel und mit ihm eine andere Geschichte. Gekauft habe ich die 0,3 Hektar Brachfläche im Jahr 2012. Mit Gestrüpp überwuchert und seit 50 Jahren unkultiviert, stellt sie eine Herausforderung dar, die ich mir seit langem gewünscht habe. Die Brandstatt zählt ohne Zweifel zu den großen Lagen der Wachau. Doch ist sie sukzessive verlassen worden: zu steil waren ihre Hänge, zu aufwändig ihre Bearbeitung.

Die Brandstatt vor dem Beginn der Rekultivierung

Mit ihrer Rekultivierung trage ich meinen Teil zur Lagenvielfalt der Wachau bei. 0,3 Hektar klingen dabei nach nicht allzu viel, ergänzt man diese Zahl freilich mit 1200 Quadratmeter Steinmauern, die es auf insgesamt 13 Terrassen zu bauen gilt, kann man sich besser vorstellen mit welchen Extremen man es zu tun hat. Noch wurzeln hier keine Reben, doch 2015, wenn alles terrassiert sein wird, möchte ich damit beginnen, im steinigen Untergrund der Brandstatt das ganze Potenzial Wachauer Rieslinge auszuloten.

Steinmauern

Der Spitzer Graben ist ein Tal, an dessen Seiten Hänge abfallen, die eher für Schipisten als für Rebstöcke geeignet scheinen (es findet ja auch tatsächlich alljährlich ein Weltcup-Snowboard-Event keine 5 Kilometer von uns entfernt statt).
Rebstöcke im WinterWeinbau ist nur deshalb möglich, weil in einer fernen Vergangenheit ein Kollektiv aus Bauern, Winzern, Mönchen und ganzen Dorfgemeinschaften damit begannen, Stein auf Stein zu setzen und derart Mauern zu bauen, die bis heute das Landschaftsbild wie auch die Weinwirtschaft der Wachau entscheidend prägen. Ihre Konstruktion war eine enorme Kulturleistung, die Arbeit und Zeit, die dafür aufgewendet wurde, erstreckte sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Uns Winzern kommt die Aufgabe zu, die Mauern zu pflegen und zu erhalten. Oder sie, wie es gerade in der Brandstatt passiert, komplett neu aufzubauen. Denn abgesehen von der stützenden Notwendigkeit für den Weinbau stellen die Mauern ein einzigartiges ästhetisches Monument dar und bieten zudem hunderten Pflanzen, Insekten, Käfern, Reptilien und Vögeln ein einmaliges Biotop und Refugium. Die Trockensteinmauern sind ein wesentliches Grund, warum die Wachau als Weltkulturerbe der Menschheit ausgewählt wurde. Dieses Erbe zu bewahren ist Verpflichtung und Aufgabe zugleich.