Ernte 2013 Weingut Martin Muthenthaler

Jahrgangsbericht 2013

Im Weinbau gibt es stabile, unverrückbare Konstanten (den Boden, die Exposition), Faktoren, die sich durch leichte Veränderungen auszeichnen (Rebstock, Klima, mich) und Komponenten, die einen Jahr für Jahr vor neue Herausforderungen stellen. Das Wetter zählt definitiv zur letzten Kategorie und sorgt zum einen dafür, dass mir nicht fad wird und zum anderen dafür, dass jedes Jahr ein leicht veränderter Wein in die Flasche kommt. Das sollte Kunden nicht stören – Wein ist und bleibt zumindest auf meinen Terrassen ein Produkt, das von natürlichen Elementen geprägt ist und diese auch wiederspiegeln soll.

2013 begann ausnahmsweise so, wie man sich das vorstellte. Es schneite, war kalt, schneite weiter und wurde kälter. Das ging bis in die letzten Märzwochen so dahin und selbst im April fielen vereinzelte Flocken in die Weingärten. Der Austrieb verspätete sich, blieb jedoch – und das ist entscheidend – von Frösten verschont. Im April und Mai erlebten wir eine ideale Mischung aus Sonne und Regen, der die Böden mitsamt der Winterfeuchtigkeit bis in die Sommermonate hinein mit ausreichend Wasser versorgen sollte.

Das Hochwasser an der Donau spielte bei uns im Graben keine Rolle, die darauffolgende Hitzeperiode allerdings schon, fiel sie doch zeitgleich mit der Blüte des Veltliners zusammen. Die Auswirkungen waren dramatisch. So verrieselten vereinzelt bis zu 50% der potenziellen Veltlinerlese, was in letzter Konsequenz dazu führte, dass es aus dem Jahr 2013 keinen Viesslinger Stern gibt. Der Riesling – diesbezüglich weniger sensibel – überstand diese Zeit problemlos.

Danach setzte nach einer kurzen kühleren Phase wiederum Hitze ein und jagte den Thermometer auf rekordverdächtige 38°C hinauf. Nachts - ein Privileg des Spitzer Grabens – kühlte es allerdings wieder entsprechend ab und so blieben die Trauben in einem steten und perfekten Gleichgewicht. Das sollte sich auch über den Herbst nicht mehr ändern. Kurz bevor es zu trocken wurde, begann es auch noch einmal zu regnen, sodass eine ideale Versorgung der Reben sichergestellt war. Die Lese erfolgte unter optimalen Bedingungen den ganzen Oktober über.

2013 ist von all den Jahrgängen, die ich seit meiner Metamorphose zum Vollerwerbswinzer gekeltert habe, vermutlich der spannendste, bilden doch (und das passiert wahrhaftig nicht oft) Körper, Extrakt und Säure eine ideale Balance. Die Weine zeichnen sich schon heute durch einen eminenten Trinkfluss aus und sind lebendig, saftig und fruchtpräzis; sie haben jedoch allesamt – seien es nun die Veltliner oder aber auch Muskateller und Riesling – eine große Zukunft vor sich.