Das Winzerdorf Elsarn im Spitzer-Graben
Die Lagen Bruck und Schön
Terrassenweingärten in der Lage Bruck
Spitzer Graben

Der Spitzer Graben ist ein Teil der Wachau und doch ist hier vieles anders als an den Ufern des Flusses. Die Donau hat dort, wo meine Rebstöcke wurzeln, keinen Einfluss mehr. Zwar sind es nur sechs Kilometer, die uns trennen, doch im Grunde liegt eine Welt zwischen uns. Mein Weingut schließt die Wachau quasi ab, hinter mir ist Schluss. Die ohnehin schon grenzwertigen Bedingungen an der Donau, werden im Spitzer Graben nochmals neu definiert. Der Hangfuß der Lagen liegt um gut 100 Meter höher und je weiter es nach hinten geht desto höher wird es. Im Sommer ist es abends zu kalt, um draußen zu sitzen und die kargen, steinigen Böden der Bruck und Schön erlauben nur minimale Erträge, da die Trauben ansonsten nicht ausreifen würden. Nirgendwo sonst fallen die Hänge so steil ab wie auf der Bruck oder der Brandstatt und bisweilen schlagen die Reben ihre Wurzeln direkt in den Fels. Und doch liefern gerade diese extremen Bedingungen beste Voraussetzungen, um eigenständige Veltliner und Rieslinge in die Flasche zu bekommen.

Bruck

12 Hektar umfasst die Bruck insgesamt und jeder Quadratmeter davon verdeutlicht, dass man sich an den Grenzen des Weinbaus befindet. Hunderte Steinmauern halten die Terrassen, ohne die auf der Bruck kein Weinbau möglich wäre – zu steil ist ihr Gefälle.

Die Böden basieren vor allem auf Schichten aus Orthogneis, kalkfreien Metamorphiten, deren Ausgangsgesteine vulkanischen Ursprungs sind. Ihre Bodenauflage ist meist seicht und sandig und sorgt für einen problemlosen Wasserabzug. Wurzeln dringen zudem tief in das Gestein vor. Einlagerungen aus Glimmerschiefer vervollständigen das geologische Spektrum.

Die Einflüsse der Donau sind auf der Bruck bedeutungslos. Vielmehr sind es die vom 1000-Meter hohen Jauerling hinabströmenden Luftmassen und das Klima des nördlichen Waldviertels, die auf der Bruck spürbar das Wachstum der Rebe mitgestalten. Zudem pfeift beständig Wind durch das Tal und führt in dem ohnehin schon rauen Klima zu zusätzlicher Abkühlung.

Summiert man all diese Faktoren steht am Ende der Rechnung neben ein wenig Muskateller und Veltliner vor allem Riesling. Und zwar nicht erst seit gestern. Das Alter der Rebstöcke auf der Bruck ist generell erstaunlich hoch, vereinzelt finden sich Stöcke, die sich 70 Jahre und mehr durch die steinigen Böden der Lage gegraben haben. Man weiß also seit langem über die Vorzüge der Bruck für die Sorte, die in den Steillagen der Mosel übrigens ähnliche Bedingungen vorfindet.Die Weine der Bruck sind streng, puristisch, glasklar und mineralisch und von einer kühl wirkenden Spannung und einer präsenten Säure am Gaumen geprägt.

Schön

Lediglich durch eine Senke von der Bruck getrennt, tun sich neben zahlreichen Parallelen doch einige wesentliche Unterschiede zur Schwesternlage auf. Die führen in letzter Konsequenz dazu, dass als dominante Sorte auf der Schön nicht Riesling sondern Grüner Veltliner den Ton angibt. Zwar ankern die Rebwurzeln ebenfalls in Orthogneis und Glimmerschiefer, doch liegt darüber eine tiefgründige und bisweilen mächtige Braunerdeschicht, deren nährstoffreichere Böden dem Veltliner ideale Voraussetzungen bieten.

Ein leichter Schwenk in Richtung Osten öffnet den Großteil der Weingärten zudem in Richtung Morgensonne. Da Terrassen, Hügel und Berge sich allerdings nie einheitlich exponieren, finden sich auf der Schön auch Hangmulden, sie sich in Richtung Westen neigen und prinzipiell für eine kühlere Stilistik stehen. Zusätzlich geschützt von einem Waldhügel sehen meine Parzellen bis in den späten Vormittag keine Sonne, was folglich auch bei dem Veltliner aus der Schön zu einer geradlinigen und straffen Stilistik führt. Aromatisch ist er stets von einer eminenten Würze geprägt, die im Laufe der Zeit zunehmend von mineralischen Komponenten und filigranen Fruchtschichten erweitert wird.

Viesslinger Stern

GrünerVeltliner und Riesling aus dem Viesslinger Stern sind meine Flaggschiffe und doch sucht man die Lage in den Riedenkarten und Verzeichnissen der Wachau vergeblich. Der Grund liegt, wie so oft, in den Tiefen der Geschichte begraben. Der Viesslinger Stern wird heute, als Subriede, der Bruck zugerechnet. Die monumentale Lage mit seinen mehr als 60 Parzellen ist noch heute klein strukturiert und schwer zugänglich, den damaligen Weinbauern jedoch, weniger mobil und meist zu Fuß unterwegs, muss die Lage noch mächtiger erschienen sein. Und so unterteilte man sie. Manche gingen in die Grüßl und in das Hardeck, andere in Parzellen, die sich nur noch in den Archiven der Gemeinde und in den Köpfen der Alten befinden. Meine Großeltern gingen in den auf 350 Meter gelegenen Viesslinger Stern. Und pflanzten dort neben dem, auf der Bruck üblichen Riesling, auch Grünen Veltliner – meine ältesten Rebstöcke. Letzterer hat es ohne Bewässerung (Veltliner braucht davon mehr als Riesling) theoretisch schwer auf der Bruck, seine alten Stöcke haben sich jedoch tief in das Gestein gesprengt und holen sich von dort sämtliche überlebensnotwendigen Ressourcen.

Brandstatt

Lebenstraum, Lebensexperiment und Lebensziel. Die Brandstatt schließt die Wachau nach Norden hin spektakulär ab, nach ihren Steillagen beginnt das Waldviertel und mit ihm eine andere Geschichte. Gekauft habe ich die 0,3 Hektar Brachfläche im Jahr 2012. Mit Gestrüpp überwuchert und seit 50 Jahren unkultiviert, stellt sie eine Herausforderung dar, die ich mir seit langem gewünscht habe. Die Brandstatt zählt ohne Zweifel zu den großen Lagen der Wachau. Doch ist sie sukzessive verlassen worden: zu steil waren ihre Hänge, zu aufwändig ihre Bearbeitung.

Die Brandstatt vor dem Beginn der Rekultivierung

Mit ihrer Rekultivierung trage ich meinen Teil zur Lagenvielfalt der Wachau bei. 0,3 Hektar klingen dabei nach nicht allzu viel, ergänzt man diese Zahl freilich mit 1200 Quadratmeter Steinmauern, die es auf insgesamt 13 Terrassen zu bauen gilt, kann man sich besser vorstellen mit welchen Extremen man es zu tun hat. Noch wurzeln hier keine Reben, doch 2015, wenn alles terrassiert sein wird, möchte ich damit beginnen, im steinigen Untergrund der Brandstatt das ganze Potenzial Wachauer Rieslinge auszuloten.

Steinmauern

Der Spitzer Graben ist ein Tal, an dessen Seiten Hänge abfallen, die eher für Schipisten als für Rebstöcke geeignet scheinen (es findet ja auch tatsächlich alljährlich ein Weltcup-Snowboard-Event keine 5 Kilometer von uns entfernt statt).
Rebstöcke im WinterWeinbau ist nur deshalb möglich, weil in einer fernen Vergangenheit ein Kollektiv aus Bauern, Winzern, Mönchen und ganzen Dorfgemeinschaften damit begannen, Stein auf Stein zu setzen und derart Mauern zu bauen, die bis heute das Landschaftsbild wie auch die Weinwirtschaft der Wachau entscheidend prägen. Ihre Konstruktion war eine enorme Kulturleistung, die Arbeit und Zeit, die dafür aufgewendet wurde, erstreckte sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Uns Winzern kommt die Aufgabe zu, die Mauern zu pflegen und zu erhalten. Oder sie, wie es gerade in der Brandstatt passiert, komplett neu aufzubauen. Denn abgesehen von der stützenden Notwendigkeit für den Weinbau stellen die Mauern ein einzigartiges ästhetisches Monument dar und bieten zudem hunderten Pflanzen, Insekten, Käfern, Reptilien und Vögeln ein einmaliges Biotop und Refugium. Die Trockensteinmauern sind ein wesentliches Grund, warum die Wachau als Weltkulturerbe der Menschheit ausgewählt wurde. Dieses Erbe zu bewahren ist Verpflichtung und Aufgabe zugleich.